Wasser - Projekt 4


Hinni gibt die Richtung vor!

Dieter Jermann
Leiter Technik/Entwicklung, Hinni AG, Biel-Benken

An den Hydranten in der Schweiz gibt es Handlungsbedarf. Es sind einige Fälle bekannt, in denen das Trinkwasser durch Fehlmanipulationen am Hydranten und dessen Peripherie verunreinigt wurde. Deshalb wurde der Projektauftrag geschaffen, in die Hydranten ein Rückflusssystem zu installieren. Diesem Vorhaben durfte sich die Hinni AG annehmen.

Für den Brandfall liefert ein Hydrant grosse Wassermengen. Üblicherweise sind Hydranten in der Schweiz im Trinkwassernetz der Wasserversorgung integriert und liefern im Notfall auch Trinkwasser. Für die Behörden ist es ein Krisenszenario, dass, beispielsweise durch Fehlmanipulation eines Hydranten, Brauchwasser als Rückfluss in das Trinkwasserleitungsnetz gelangt. Über das Leitungsnetz verbreiten sich so rasant und weitreichend Krankheitserreger. Für die Betreiber zieht dies Kosten und einen Reputationsverlust nach sich und hat vor allem gesundheitliche Konsequenzen für die Konsumentinnen und Konsumenten wie Durchfall, Übelkeit und Erbrechen. Im Schadenfall helfen nur eine rasche Ausserbetriebnahme der betroffenen Leitungsabschnitte und aufwendige Spül- und Desinfektionsmassnahmen.

Bei Hinni wurde seit 2012 eine Massnahme zur Hemmung des Rückflusses intensiv diskutiert. Ein solches System zur Rückflussverhinderung soll kostengünstig und mechanisch langlebig sein und verhindern, dass Wasser ungewollt über den Hydranten in die Wasserleitung gelangen kann. Eine knifflige Aufgabe: Wird ein Hydrant geschlossen, dann entleert sich das Wasser im Inneren aus Gründen der Frostsicherheit automatisch in das umliegende Erdreich. Für diese Funktion muss Luft über eine Öffnung nachströmen können, welche sich über Jahre hinweg stromlos und automatisiert beim Öffnen des Hydranten schliesst und ansonsten geöffnet bleibt. Auch wenn dies keine leichte Aufgabe war, so haben sich die Jahre der Lösungsentwicklung ausgezahlt. Für die Realisierung einer Dichtung zur Vorbeugung von Rückfluss bietet die in punkto Hygiene unerreichte Qualität und Langlebigkeit der Email-Innenbeschichtung eine ideale Basis.

Fun Facts

Bereits 2014 konnten wir eine erste, voll funktionsfähige, getestete Lösung zum Patent anmelden. Leider stellte sich heraus, dass das System zwar funktionierte, die Marktreife jedoch nicht erreicht werden konnte, da sich die Mechanik nicht in alle Hydrantensysteme integrieren liess. Somit hiess es kurz nach der Patentanmeldung «zurück auf Feld 1». Umso grösser war dann die Freude, als 2019 unsere zweite Lösung als erstes «RFV System im Hydranten» in der Schweiz zertifiziert wurde.

2017 konnte Hinni die neue «Rückflussverhinderung im Oberteil» zum Patent anmelden. Es folgten zwei lange Jahre der Detailentwicklung, Tests und Feldtests mit Unterstützung aller internen Abteilungen, des Aussendienstes und einiger Kunden. Schliesslich wurden im Juni 2019 Hinnis «Hydranten mit Rückflussverhinderung» als erste in der Schweiz vom Schweizerischen Verein des Gas- und Wasserfaches (SVGW) zertifiziert. Bereits bei geringstem Druck von 0.15 bar wird das Einfliessen von Wasser verhindert. Es galt nun, die Mechanik zu industrialisieren. Im Frühjahr 2020 feierte Hinni die Markteinführung und der Markt wird zeigen, ob sich diese Erfindung zu einer Innovation mausert. Fest steht auf jeden Fall, dass sie nahtlos an die bekannten «Hinni-Tugenden» und den Systemgedanken der Hinni Hydranten anknüpft.

Ich bedanke mich bei allen Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter für die Unterstützung und den Durchhaltewillen. Ich freue mich immer, wenn wir gemeinsam Neues schaffen können.

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